Edgar Degas (Paris 1834 - 1917 Paris)

Edgar Hilaire Germain de Gas, Sohn eines Pariser Bankiers aus altem französischen Adel und einer kreolischen Mutter, galt als schwieriger und ausserordentlich pedantischer Zeitgenosse. Als Degas eine Einladung zum Abendessen bei seinem Freund, dem Kunsthändler Ambroise Vollard, erhielt, antwortete er: „Keine Butter, keine Blumen auf dem Tisch, wenig Lichter! Ihre Katze ist wegzuschliessen, einen Hund darf niemand mitbringen. Die Damen ohne Parfum, das Brot geröstet – und dann um halb acht, aber genau!“.

Seine ersten und nachhaltigen Eindrücke über die Kunst sammelte der junge Edgar bei Madame Valpinçon, einer Freundin der Familie, bei der auch Jean-Auguste-Dominique Ingres verkehrte, mit dem er auch später niemals direkte Beziehungen unterhielt. Degas bezeichnete sich später gern als Schüler Ingres’, jedoch ist dies vornehmlich auf die künstlerische Orientierung zu Beginn seiner Laufbahn zu betrachten.

Zunächst besucht Degas das Lycée Louis-le-Grand in Paris um sich zunächst an der Sorbonne dem Jurastudium zu widmen. Jedoch 1854 entschloss sich Degas das Jurastudium aufzugeben und sich der Malerei zu widmen. Er verbrachte sowieso mehr Zeit im Louvre als im Hörsaal und seine kunstsinnigen Eltern haben sich der Leidenschaft des Sohnes nicht entgegengestellt. 1855 beginnt er an der École des Beaux-Arts seine Studien unter Louis Lamothe, einem Schüler von Jean-Auguste-Dominique Ingres und Hippolyte Flandrin. Die klassische Kunst eines Ingres und des Studiums der alten Meister, vor allem der italienischen Meister des Quattrocento, führte 1856 zum Aufbruch nach Italien, wo er, bei Verwandten wohnend, engen Kontakt zu Künstlerkollegen, wie Leon Bonnat und Gustave Moreau, unterhielt. Seine Studien verfolgte Degas sehr verbissen und sass sehr oft und lange in den Museen um jene Vorbilder zu studieren und zu kopieren, so dass deren Werke Grundlage für die ersten Jahre von Degas eigenem künstlerischen Schaffen wurden.

Zurück in Paris wendet sich Degas primär der Historienmalerei zu, jedoch beginnt er sich zunehmend mit der modernen Zeit zu befassen. Die Bilder jener Zeit sind geprägt durch den klassisch-akademischen Aufbau seiner Lehrer. Ab etwa 1860, um diese Zeit veränderte er auch die Schreibweise seines Namens in Degas, beginnt der Realist Degas seine Arbeiten freier zu gestalten und von der akademischen Strenge abzuweichen. Hier wurde er im besonderen durch Édouard Manet beeinflusst, den er 1862 traf und den er bei einer Gruppe junger Künstler einführte, die sich vorzugsweise im Café Guerbois auf dem Boulevard de Batignolles traf und später Impressionisten genannt wurde. 1866 entstehen die ersten Bilder vom Rennplatz. Er war fasziniert von den Eindrücken die ihm das Theater und das Ballett vermittelten; aber auch die der Cafés und Boudoirs. Degas war ein genauer Beobachter seiner Zeit und seines Umfeldes. Obwohl Degas zeitlebens Junggeselle blieb, war er von den Frauen doch sehr angetan, was sich in seinen zahlreichen, immer wiederkehrenden Portraits und Zeichnungen widerspiegelt, als er Tänzerinnen und Wäscherinnen in natürlichen und spontanen Alttagssituationen darstellte. Als Degas zu der Hochzeit eines seiner Modelle eingeladen war und auch tatsächlich dort erschien, blickte er diese immer wieder gedankenverloren an, bis sein Tischnachbar ihn Ansprach, was ihn an ihr denn so besonders interessiere: „Besonderes? Nein, nichts. Ich finde sie sieht entzückend aus. Ich glaube, dies ist das erste Mal, dass ich sie in Kleidern sehe.“

Degas’ Interesse an japanischen Holzschnitten führten zu einer sich veränderten Sichtweise, die ihn mit bis dahin ungewöhnlichen Blickwinkeln und asymmetrischen Strukturen experimentieren liessen. 1872 schuf er sein erstes Ballettsujet „Ballet de Robert le Diable“, dass mit den akademischen Formen und Techniken brach Dabei rückt er die Personen an den Rand des Bildes, um damit einer Perspektive des ganzen Raumes zu erhalten. Zum bevorzugten Mittel wurde dabei die Pastellmalerei für ihn. Nach der Rückkehr von einer Reise nach Amerika, nahm er 1874 an der ersten Ausstellung der Impressionisten teil, auf die noch sechs weitere Teilnamen bis 1886 folgten. Als sein Vater 1874 starb und ihm völlig unerwartet hohe Schulden hinterliess, sah sich Degas gezwungen mit seiner künstlerischen Arbeit seinen zukünftigen Lebensunterhalt zu verdienen. Unter den Impressionisten war Degas der erste, dessen Werk eine breitere Anerkennung fand, da seine Arbeit dem Publikum nicht ganz so revolutionär erschien, aber dennoch modern und mit den vertrauten traditionellen Aspekten. Er experimentierte auch gerne mit der Kombination verschiedener künstlerischer Techniken, z.B. die Verbindung von Pastel- und Temperafarben. Das graphische Werk lag Degas sehr am Herzen. Seine druckgraphischen Arbeiten verstand er primär als weiteres Medium und nicht zum Zwecke der Verfielfältigung seiner Kunst.
Als Anfang der 1880er Jahre Degas’ Sehkraft immer mehr nachliess, wendete er sich zunehmend der Plastik zu.
Neben Renoir und Monet, war Degas einer der wenigen Künstler die am Abend ihres Lebens durch ihre Kunst wohlhabend geworden waren. Für Degas’ Gemälde „Les danseuses à la barre“ wurde 1912 der bis dahin höchste Preis für einen lebenden Künstler mit 435.000,- Francs, nach heutigem Gegenwert ca. 19 Mio. EURO, erzielt.

Jeune Homme assis au béret de velours (Jeune Homme assis réfléchissant d'après Rembrandt) (um 1857)

Radierung in Braungrau auf festem Japanpapier mit breitem Rand, mit leichtem Ton von der oxydierten Platte.

Radierung nach Rembrandt’s „Junger Mann mit Samtkappe“ (Bartsch 268), seitenverkehrt, jedoch grössengleich.

Eines von fünf bzw. acht Exemplaren. Der Katalog der„Vente Atelier Degas“ in der Galerie Manzi-Joyout, Paris vom 22.-23. November 1918 führt lediglich fünf Abzüge des Blattes auf, während Reed/Shapiro acht Exemplare nennen, davon zwei in Museumsbesitz und zwei Abzüge von der korrodierten Platte.

Masse: 11,8 cm x 9,5 cm (30,8 cm x 21,4 cm).

Provenienz: Atelier Edgar Degas, Paris (Lugt 657),
Vente Atelier Degas in der
Galerie Manzi-Joyout, Paris
22.-23. November 1918
Katalog-Nr. 113

WVZ Delteil 13, Adhémar 11, Reed/Shapiro 6.

Zustand: Zwei Fleckchen am Plattenrand und Oberrand, rückseitige
Leimspuren in den Ecken, ansonsten sehr gut.

ohne Rahmung.

EUR 2.500,00
(Preis incl. 7 % MwSt. und zzgl. evtl. Versandkosten).

Tete de jeune femme (Buste de Femme) (um 1856)

Radierung.

Einziger Zustand; laut Adhémar wahrscheinlich ein überarbeiteter Zustand der Platte „Les Amoureux“ (WVZ Delteil 44, Adhémar 4).

Druck von der gestrichenen Platte, welche der Pariser Kunsthändler Ambroise Vollard, in den Jahren 1919/1920 anfertigen liess.

Eines von 150 Exemplaren.

Masse: 8,1 cm x 7,2 cm (36,7 cm x 49,7 cm).

WVZ Delteil 45, Adhémar 5.

Zustand: sehr gut

mit Rahmung: altgoldener Ochsenaugen-Rahmen mit dunkelrotem Leinenpassepartout.

EUR 1.200,00
(Preis incl. 7 % MwSt. und zzgl. evtl. Versandkosten).